Exclusiver Besuch des Glas-Knopf-Museums in Weidenberg

Das Ehepaar Hadlich hat das Museum extra für uns Fotografen Alexander Stöhr, Annett Siegel, Rüdiger Taubald, Ulli Bauer und mich aufgeschlossen. Ausgemacht war eine kalte Führung. Das bedeutet, dass die Öfen, die zur Herstellung und Bearbeitung des Glases benötigt werden, aus sind.

Erwähnen will ich aber auch mal den Spaß, den wir Foto-Freunde bei jeder gemeinsamen Tour haben. Denn es geht uns nicht nur ums Fotografieren, wenn wir unterwegs sind, es wird auch gegessen. Unser Uli ist Hobbykoch und versorgt uns mit allerlei Leckereien. Vom Stollen über Kaffee bis zum Rumtopf hat er immer etwas in seinem Kofferraum. Okay, den Rumtopf haben wir erst zu Hause probiert.

Die Geschichte des Glas-Knopf-Museums in Weidenberg

Bevor wir mit dem Fotografieren loslegten, erfuhren wir von Herrn Hadlich vieles über die Geschichte und Herstellung der Glasknöpfe. Man glaubt gar nicht, wie viele Geheimnisse über die Rezepturen oder den Herstellungsprozess der benachbarten Firmen es gibt. Die Handwerker kannten sich untereinander, trafen sich vor der Werkstatt und setzten sich gemeinsam auf eine Bank, aber hinein durfte nur, wer dort arbeitete. Es sollte ja niemand irgendetwas ausspähen oder erkunden und schon gar nicht mit der Konkurrenz teilen.

Herstellung eines Glasknopfes

Frau Hadlich setzte sich extra für uns an den Arbeitsplatz, an dem früher die Glasknöpfe hergestellt wurden. Nachdem sie den Gasbrenner eingeschaltet hatte, erahnten wir, was für ein Aufwand dahinter steckt. Da fragt man sich schon, wie sich so etwas rentiert, denn Gas, Glasrohstoff und Arbeitszeit nehmen einen erheblichen Anteil ein.

Sie erzählte uns, dass der Beruf nicht sonderlich gesund war, denn während man vorne durch den Brenner mit Wärme schon fast überversorgt wurde, fror man am Rücken.

Die Zukunft des Museums

Ob das Museum nächstes Jahr noch existiert, ist ungewiss, denn der Mietvertrag läuft aus. Wir erfuhren, dass es diverse Förderprogramme gibt, aber eben nicht für den Erwerb dieses Gebäude. Genau das wäre aber der erste Schritt. Dann könnte man nach und nach diverse Reparaturen vornehmen und die Ausstellung ausbauen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber noch, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz, also ganz verschwinden kann es nicht einfach.

Aus der Presse erfuhr ich ein paar Wochen später, dass das Kanzleramt 1,5 Millionen Euro für die Sanierung bereit stellt. Das teilte die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Silke Launert mit.

Die Mittel stammen aus dem Etat für den Bereich Kultur und Medien. Bereits 2019 könnten davon 200.000 Euro ausgezahlt werden. Der Rest kommt dann in den nächsten 3 Jahren.

Der Ofen wurde extra für uns angefeuert

Obwohl eine kalte Führung ausgemacht war, feuerte Herr Hadlich auf unser Bitten den Ofen an. Er sagte, dass es gar nicht so einfach wäre, den Ofen zum Laufen zu bringen. Zusätzlich würde er dabei stark qualmen. Doch an diesem Tag lief alles anders. Der Ofen brannte im Nu und Herr Hadlich freute sich, weil ihm das Anzünden noch nie so gut gelungen sei.

Der Herstellungsprozess

Schritt für Schritt erklärte uns Herr Hadlich die Herstellung der Knöpfe. Da wurde das Fotografieren fast zur Nebensache, denn es lohnte sich, mal genau hinzuhören und Fragen zu stellen.

Herr Hadlich ist ein wandelndes Geschichtsbuch. Zu jeder Frage hatte er eine Geschichte aus vergangener Zeit parat. Und so erfuhren wir die eine oder andere Anekdote der konkurrierenden ortsansässigen Firmen. Man verstand sich gut und ging auch gemeinsam ins Wirtshaus, aber zum Thema Herstellung schwieg jeder. Zu groß war die Gefahr, dass einer etwas ausplauderte und dadurch ein anderer einen Vorteil erlangte.

Der Versand

In den hinteren Räumen war der Versand untergebracht. Anscheinend wurde dabei Musik gehört, denn es standen zwei alte Radios neben den Werkbänken. Uns wurde erklärt, dass die einzelnen Glasknöpfe auf Kartons aufgenäht wurden. Das war eine sehr eintönige Arbeit, bei der die Fingerkuppen stark beansprucht wurden. Am Zustand der Fingerkuppen konnte man also erkennen, welche Aufgabe der jeweilige Arbeiter in der Glasknopffabrik ausübte.

Die Wohnräume

Im nahe gelegenen Wohnhaus unter dem Dach standen noch die originalen Möbel. Durch die Feuchtigkeit waren sie allerdings in Mitleidenschaft gezogen worden und quollen leicht auf. Im Schlafzimmer stand ein bezogenes Bett, und auch hier war die Feuchtigkeit sehr hoch, weshalb die Tapeten von den Wänden fielen. In einem Abstellraum fanden wir dann einen alten Plattenspieler, der angeblich sogar noch funktionieren soll. 

Erkenntnis

Es war ein schöner fotografischer Ausflug mit einer tollen Einzelführung. Ein großes Dankeschön geht an die Familie Hadlich, die unentgeltlich Besucher durch die alte Produktionsstätte führt. Wir haben gerne eine Spende gegeben, denn das Ehepaar hat sich extra ein paar Stunden Zeit für uns genommen, und wir haben viel erfahren. In dieser Führung sahen wir auch die reale Herstellung eines Glasknopfes am Bunzenbrenner. So viel Herzblut gibt es nicht überall. Das merkt man auch, wenn Herr Hadlich einmal ins Erzählen kommt.

Autor

ist Pressefotograf. Seine Arbeiten sind nicht nur in der Lokalzeitung zu sehen, sondern auch in der Bild und Sport Bild. Im Raum Hof trifft man ihn auf den meisten Veranstaltungen. Seine Interessen sind die Event- und Landschaftsfotografie sowie Lost Place. Ohne Kamera geht es so gut wie nie aus dem Haus

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