Gasthof Vogel Rudolphstein – eine einmalige Gelegenheit

“Lost Places Nordfranken” informierte mich, dass er mit dem aktuellen Besitzer des leer stehenden Gasthof Vogel in Rudolphstein bei Berg Kontakt aufgenommen hat. Wir bekommen die einmalige Gelegenheit, ganz offiziell im Gebäude fotografieren zu dürfen.

Der Verwalter kommt sogar extra aus gut 50 km angefahren um das Haus für ein paar Stunden aufzusperren. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Üblich bekommt man bei Anfragen an einen Besitzern, sofern man ihn herausfindet, eher eine Absage zum Betreten eines leer stehenden Gebäudes.

Hier war alles anders, beim Treffen vor der Gaststätte erhielten wir sogar noch Infos, warum nichts mehr investiert wird, und zu welchem Kaufpreis das Gebäude zu haben sei. Bei der genannten Summe hat sich aber unsere Stirn gerunzelt. Nie und nimmer würde jemand diesen Preis bezahlen. Das wusste auch der Besitzer und erklärte uns, dass er auch ein paar Schäden richten müsse, damit nicht noch ein größerer entstünde.

Uns war klar, dass das Gebäude niemals verkauft wird und irgendwann dem Abrissbagger zum Opfer fällt. So ist es dann auch, wie wir aus der Zeitung erfuhren.

Kein Vandalismus

Wir betraten den ersten Raum und dachten, dass hier erst vor kurzem zugeschlossen wurde. So war es aber nicht, denn der Gasthof war nach dem Tod des Besitzers ca. 10 Jahre leer gestanden. Einen Nachfolger gab es nicht und so mussten sich die Reisebusse, die früher hier im Massen ankamen, einen neuen Ausflugsort zum Kaffeekränzchen suchen.

Sämtliches Inventar war noch vorhanden

Egal wo wir hinschauten, es war alles noch vorhanden. Von den Kassen, Tischdecken oder an der Bar die halb gefüllten Flaschen Alkohol. Würde man mal kurz nass durchwischen, hätte man wieder eröffnen können. Der Blick hinter die Theke hat uns besonders interessiert. Da waren Unmengen an Kassetten (kennt die heutige Jugend nicht mehr) oder der Gürtel mit dem Unterberg neben dem Gläserschrank. In den Schubladen lagen noch alte Bierfilz und Spielkarten die schon recht abgegriffen waren.

An den Zapfhähnen für Cola, Fanta, Spezi oder Wasser war ein Zählwerk zu sehen, wie viele Getränke entnommen wurde. Allein schon an der Zahl konnte man gut abschätzen was hier früher für ein Gästeaufkommen war.

Die Küche

Hier würde sicherlich der eine oder andere Gastronom ein paar Teile erwerben wollen. Edelstahl-Schränke, Spülmaschinen und Herd sahen top gepflegt aus. Sogar das Fett aus der Friteuse war entfernt worden und der Herd hatte keine Verkrustungen und klebte nicht. Hier haben die Mitarbeiter vor der Schließung  einen guten Eindruck hinterlassen.

Das obere Stockwerk und der Dachboden

Ich mag ja Dachböden, weil dort allerlei Unrat oder alte Sachen aufgehoben werden. Wir teilten uns auf, einer ging zu den Büroräumen und ich rauf unters Dach. Dort war auch ein kleines Lager mit Gläsern von einer Brauerei, die es schon lange nicht mehr gibt. Daneben die Sektkübel und eine alte Kasse. Ein alter Koffer weckte mein Interesse, aber nach dem Öffnen sah ich nur wertloses Zeug.

Das Büro

Sämtliche Ordner mit Rechnung der letzten Jahre standen säuberlich in einem Drehregal. Daneben ein Schrank mit Mikrofon und eine Menge an verschiedenen Stempeln. Auch für einen Mittagsschlaf stand ein Sofa mit dem Design der 70er Jahre in der Ecke.

Dann lagen noch verschiedene Fotoalben in der Ecke. Beim durchsehen erkannte man manche Persönlichkeit die hier früher aufgetreten ist. Auch Tanzgruppen waren hier anscheinend öfters vertreten, um die Besucher gut zu unterhalten.

Author

ist Pressefotograf. Seine Arbeiten sind nicht nur in der Lokalzeitung zu sehen, sondern auch in der Bild und Sport Bild. Im Raum Hof trifft man ihn auf den meisten Veranstaltungen. Seine Interessen sind die Event- und Landschaftsfotografie sowie Lost Place. Ohne Kamera geht es so gut wie nie aus dem Haus

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