Lost Place Ausflug zu einer Fabrikanten Villa

1925 ließ sich der Fabrikant eine Villa auf einem Hügel oberhalb der Arbeitersiedlung seiner Spinnereifabriken nach Plänen von Paul Bonatz errichten. Seit dem Tod des Unternehmers im Jahr 1955 steht das Haus leer und fällt seitdem dem Dornröschenschlaf immer mehr anheim.  Aber, wie in besagtem Märchen, spürt man im Inneren davon nichts. Beim Betreten hat man den Eindruck, die Bewohner seien gerade mal nicht zu Hause, kämen aber  gewiss bald wieder. Alle Zimmer sind in ihrer originalen Ausstattung erhalten, nichts ist verdreckt oder dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Im Gegenteil, das Anwesen wurde gepflegt.

Als wir ganz offiziell das Anwesen besuchen durften, warteten wir vor dem Tor. Nach einer Begrüßung von diversen Leuten fuhren wir die Allee entlang und staunten nicht schlecht. Ein riesiges Grundstück lag vor uns. Nach einer langen links Kurve fuhren wir direkt auf die Villa zu. Dort parkten wir und besprachen wie die Führung ablaufen solle. Mit dabei waren Personen die sich sehr intensiv mit der Geschichte der Fabrik und der Villa beschäftigen und sich auch bestens auskannten. Eine weitere Person die dabei war, erzählte uns, das sowohl ihre Mutter als Bedienstete und ihr Vater als Gärtner dort angestellt waren. Sie zeigt uns auch das Fenster in denen sie gewohnt haben.

Rundgang durch den Garten

Bevor wir in die Villa betreten durften, gab es erst einmal einen Rundgang durch den Garten. Obwohl Garten der falsche Ausdruck ist, es war eher ein Park mit einem Teehäuschen hoch oben auf einem Berg. Darunter befindet sich ein riesiger Wasserspeicher der als Wasserversorgung der Villa und der Fabrik diente. Weiter hinten standen verschiedene Skulpturen aus Marmor. Ab und zu schauten Rohre aus dem Boden was uns etwas irritierte. Auf Nachfrage sagte man uns, das diese als Entlüftung für die Wasserversorgung diene. Weiter vorne seien aber noch welche die eine ganz andere Bedeutung haben. Unter dem Gelände ist ein Gewölbekeller der zum Teil eingestürzt sei. Die Rohre dienen der Belüftung. Heute rätselt man noch über den Zwecke des Keller.

Ein eigenes Schwimmbad

Purer Luxus für die damalige Zeit. Ein eigenes Schwimmbad umringt von einer Mauer die als Sichtschutz diente. Darin befand sich ein Gebäude, in denen getrennt nach Mann und Frau die Umkleidebereiche waren. Auch Duschen für beide Geschlechter waren vorhanden. In den massiven Messing Armaturen war die Aufschrift für Kalt und Warm eingraviert. Ging man links die Treppe hinauf über den Umkleiden, war ein Raum ähnlich eines Partykeller. Öffnete man den in der Wand versteckten Hohlraum eröffnete sich einem die Bar mit Spiegelverglasung. Daneben stand ein Kachelofen mit einer hübschen Sitzbank.

Die Tennisplätze

Ich muss zugeben, das ich nicht erkannt habe um was es sich hier handelte. Aber man erklärte uns, das es früher ein Tennisplatz war. Vermutlich waren es sogar zwei Plätze. Aktuell steht nur noch das Gerüst an dem früher der Zaun befestigt war. Der Platz lag auch recht günstig in der Nähe zur Villa. Oberhalb vom Tennisplatz war eine Plattform die vermutlich als Aussichtspunkt diente um den Spielern zuzusehen.

Die Villa von innen

Endlich ging es ins innere der Villa. Klar hat uns auch das Anwesen interessiert, aber ganz besonders neugierig waren wir auf die Einrichtung die komplett erhalten sein soll. Schon beim betreten wurden unsere Augen immer größer. Marmor, massive Treppenaufgänge und große Ölgemälde an der Wand. Viele werden jetzt sagen, das es sich gar nicht um ein Lost Place handelt. Etwas Recht könnte ich euch geben, aber für uns bleibt es trotzdem ein verlassener Ort. Er wurde eben nur von ein paar Leuten in Schuss gehalten und vor Vandalismus geschützt.

Zu jedem Raum gab es ausführliche Erklärungen

Haben wir Anfangs noch den Erzählungen brav zugehört, setzten wir uns ab und fotografierten was das Zeug hielt. Es war ja auch die letzte Chance das Gebäude abzulichten, denn es wurde an eine Firma aus Frankfurt verkauft die es zu einem Schulungszentrum umbauen möchte. Dabei soll der Charm erhalten bleiben.

Mein Eindruck vom Besuch der Villa

Die edlen Bäder sind mit Marmor verziert und der Hang zum Land der aufgehenden Sonne spiegelt sich in einem Zimmer in japanischem Stil wider. Trotz aller Visionen und Ideen hat Hornschuch wohl nie den Bezug zur  Realität verloren und auch ein kleines bißchen Mißtrauen bewahrt. Das beweist ein großer Tresor, der in seinem Sterbezimmer in der Wand versteckt ist. Ein weiteres bemerkenswertes Detail in der Villa ist die Stromversorgung. Erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ging man so langsam über, das bis dahin gebräuchliche Gaslicht durch elektrisches zu ersetzen. Dank Werner Siemens, der 1866 das dynamoelektrische Prinzip entdeckt hatte, konnte sich die Familie diesen Luxus leisten.

Autor

ist Pressefotograf. Seine Arbeiten sind nicht nur in der Lokalzeitung zu sehen, sondern auch in der Bild und Sport Bild. Im Raum Hof trifft man ihn auf den meisten Veranstaltungen. Seine Interessen sind die Event- und Landschaftsfotografie sowie Lost Place. Ohne Kamera geht es so gut wie nie aus dem Haus

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