Einblicke und seltene Führung durch einen Atombunker

Ganz sicher gibt es viele Nürnberger, die keine Kenntnis von einem Atombunker unter dem Nürnberger Hauptbahnhof haben. Dieser wurde in den siebziger Jahren für den Fall eines Atomkriegs gebaut und bot Platz für 2500 Menschen. Immer zu Jahresbeginn wird der Bunker für Besucher geöffnet und mit einer Voranmeldung gibt es eine Führung.

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Eine Anmeldung ist deshalb nötig, weil der Andrang recht groß ist. Die Führungen finden im Abstand von 30 Minuten statt. Der Eingang dazu ist neben der Bahnhofsmission in der Königstorpassage.

Zwei dicke Stahltüren

Kurz hört man noch die Züge, bevor man durch die gewaltigen Türen schreitet. Nachdem man die Eingangsschleuse passiert hat, geht es 7 Meter die Treppen hinunter. Dann steht man in einem Raum mit kaltem Neonröhrenlicht und vielen Reihen mit Stockbetten. Die orangen Sitze waren der Aufenthaltsort für die 16 Stunden, die man nicht liegend verbringen mußte.

Ungeklärte Besitzverhältnisse

Man kann es sich gar nicht vorstellen, das niemand weiß, wem der Bunker gehört. Das ist aber nötig, um die Zweckbindung aufzuheben, denn aktuell gilt der Bunker noch als Zivilschutzraum. Anscheinend will keiner der Besitzer sein, denn die Bahn sagt, er gehört der Stadt Nürnberg. Das zuständige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)wiederum behauptet, die Bahn sei der Besitzer. So dreht man sich seit 2013 im Kreis.

Acht Stunden liegen, 16 Stunden sitzen

So war die Planung im Fall eines Atomkrieges. Selbst das Essen sollte auf der Liege oder den Sitzflächen zu sich genommen werden. Einen extra Speiseraum gab es nämlich nicht und auch keinen Plan in welcher Reihenfolge, wer etwas zu essen bekommen sollte.

22 Waschbecken und 24 Toiletten

Vier Schlafsäle auf insgesamt 2000 Quadratmetern, dazu 1.5 Meter dicke Wände, die einen Atombombentreffer aber auch nicht überstanden hätten, wären das zuhause für zwei Wochen (länger hätte der Diesel für das Notstromaggregat nicht gereicht) für diejenigen gewesen, die einen Platz im Bunker ergattert hätten. Die Bevölkerung sollte mit diesen Daten psychologisch beruhigt werden. Dazu zählte auch das Farbkonzept mit hellgrau, grüngrau, etwas blau und ein paar Farbtupfern.

Essensausgabe und Hygieneartikel

Bei der Führung wurde gezeigt, was damals alles im Vorratslager gebunkert wurde. Das Sammelsurium erstreckte sich von Windeln für Kleinkinder, Seife, Toilettenbürsten bis hin zu “todschicken” Jogginganzügen. Man staunte nicht schlecht, was man damals für wichtig hielt. Bei manchen Artikeln mußte man schmunzeln, andere erweckten Erinnerungen die Jugend.

Ziel ist die Öffnung des Bunker

Alle sind sich einig, dass der Bunker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Wenn die Besitzverhältnisse einmal geklärt sind, geht es aber weiter. Dazu braucht es viel Geld, denn man muss sich um den Brandschutz kümmern und der kostet um die 200 000 Euro. Weitere 80 000 Euro sind für Fluchtwege und die Beschilderung nötig.

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ist Pressefotograf. Seine Arbeiten sind nicht nur in der Lokalzeitung zu sehen, sondern auch in der Bild und Sport Bild. Im Raum Hof trifft man ihn auf den meisten Veranstaltungen. Seine Interessen sind die Event- und Landschaftsfotografie sowie Lost Place. Ohne Kamera geht es so gut wie nie aus dem Haus

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